Galerie im Höchhuus

Fred und Manuel Bauer erneut zu Gast in der Galerie Höchhuus

Nach beinahe 20 Jahren, kehren Vater und Sohn Bauer in die Galerie Höchhuus in Küsnacht zurück. Dieses Mal präsentieren der Maler und der Fotograf kein gemeinsames Projekt wie damals „Calcutta crossing“, sondern jeder sein eigenständiges Schaffen: Fred Bauer stellt seine Gemälde und Collagen aus, die während der vergangenen zehn Jahre entstanden sind. Manuel Bauer zeigt sein jüngstes Projekt „Sam Dzong – ein Dorf zieht um“, das ihn ebenfalls beinahe zehn Jahre lang beschäftigt hat.

Die Collage, die mitten in Fred Bauers Atelier, unweit des Küsnachter Schübelweihers, hängt, war einst ein Zeitungsbild. Es zeigte das chaotische Atelier von Francis Bacon. Die abgebildete Unordnung hat Fred Bauer fasziniert und motiviert, etwas Ordnung zu schaffen – mit Schere und Pinsel. „Häufig bearbeite ich alte, meist eigene Bilder. Gerne verändere ich etwas Bestehendes. Es zwingt mich, in eine bestimmte Richtung zu gehen und Ordnung in das Gezeigte zu bringen“, erklärt Fred Bauer. Diese Arbeitsweise zieht sich wie ein roter Faden durch die Gemälde und Collagen, die zurzeit in der Galerie Höchhuus in Küsnacht zu sehen sind: Seine grossformatigen Acrylbilder erhalten durch Farbe und geometrische Elemente ihre eigene Ordnung; die Collagen, die sich häufig aus Quadraten zusammensetzen, sind beispielsweise auf Basis von „Abfall“ des verstorbenen Freundes und Küsnachter Künstlers Mark Buchmann oder aus eigenen, verschnittenen Malunterlagen entstanden. „Ich mag Zufälle, und lasse daher gerne einfach etwas entstehen“, so Fred Bauer, der diese Collagen als Recycling bezeichnet. Sie sind eine Art Vorgänger zu seinen jüngsten Werken, den „Pixelbildern“. Diese sind aus der Phantasie heraus gemalte Porträts, die der Künstler in einem zweiten Arbeitsschritt auseinanderschneidet und anders wieder zusammensetzt.

Eigenständiges Schaffen als Vorbild

Der in Herisau aufgewachsene Fred Bauer (*1928) lebt seit rund 60 Jahren in Küsnacht, wo der Vater dreier Söhne als selbständiger Grafiker, Holzschneider und Illustrator gearbeitet hat. Bekannt machten ihn seine Plakate, die er für grosse Kunstausstellungen gestaltete und die ihm mehrmals die Auszeichnung „Die besten Schweizer Plakate“ verschafften. Auch als Gestalter von Briefmarken und Illustrator von Schul- und Kinderbüchern genoss er Ansehen.

Die Unabhängigkeit Fred Bauers und seine Bereitschaft, auf lukrative Aufträge zugunsten von Projekten für gemeinnützige Institutionen zu verzichten, hat den Sohn Manuel (*1966) geprägt. Er wollte ebenfalls in einem gestalterischen Beruf tätig und mit Arbeiten beschäftigt sein, die in seinen Augen Sinn machen. Er wurde Fotograf und in dieser Funktion international bekannt für seine Reportagen über den Dalai Lama oder die „Flucht aus Tibet“, auf der er ein Mädchen und dessen Vater von Lhasa nach Indien begleitete. „Mit meiner Arbeit kann ich auf Missstände und Ungerechtigkeiten aufmerksam machen und vielleicht ein Stück weit auch etwas verändern“, erzählt Manuel Bauer.

Ein Dorf zieht um

Manuel Bauer weilt regelmässig in Nepal, wo ihn die Kultur fasziniert und wo ihm das Schicksal der Einwohner, insbesondere der Buddhisten tibetischer Abstammung am Herzen liegt. Auf einer Reise ins karge abgelegene Tal Mustang wurde er von Dorfbewohnern von Sam Dzong, die von Manuel Bauers Freundschaft zum Dalai Lama erfahren haben, um Hilfe gebeten. Sie berichteten vom fehlenden Schmelzwasser und von den unfruchtbar gewordenen Feldern. Das Wort „Klimawandel“ existierte in ihrem Wortschatz nicht.

Manuel Bauer half mit, den Umzug eines ganzen Dorfes zu ermöglichen. Es vergingen sieben Jahre, bis die neuen Häuser im Frühling 2015 standen. Im vergangenen Herbst konnten die Bewohner die erste Ernte von den neuen Feldern einbringen, und gegen Ende dieses Jahres sollte auch ein Schutzdamm gegen Hochwasser fertiggestellt sein. Manuel Bauers Fotoreportage, dank der viele Spendegelder gesammelt werden konnte, ist nun im Höchhuus zu sehen. Während der Kulturnacht vom 29. September können die Galeriebesucher zudem anhand einer Diashow mehr über Kultur und Landschaft von Mustang erfahren.

Vernissage: Freitag, 8. September, 2017, 17 bis 20 Uhr
Einführung um 18 Uhr durch Kunsthistorikerin Gabriele Lutz und Manuel Bauer
Öffnungszeiten Ausstellung: 9. September bis 1. Oktober, Donnerstag und Freitag 17 bis 19 Uhr,
Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr
Im Rahmen der Kulturnacht Küsnacht: Freitag, 29. September 18 bis 24 Uhr
Finissage: Sonntag, 1. Oktober, 11 bis 16 Uhr

 

 

 

Fred Bauer: "Improvisation", 2015, Tempera/Acryl auf Papier

 

 

Die Sam Dzong Ngas müssen wegen dem Klimawandel ihr Dorf verlassen. Das neue Dorf liegt drei Stunden Fussmarsch von Sam Dzong entfernt.

 

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Galerie im Höchhuus Küsnacht

 Galerie Höchhuus KüsnachtDie Galerie im Höchhuus bietet Kunstschaffenden aus der Region die Möglichkeit, in ihren historischen Räumen auszustellen. Ein ehrenamtlich wirkendes Team organisiert jährlich 4 – 6 Ausstellungen zeitgenössischer Malerei, Bildhauerei und Fotografie. Das Programm wird auf Grund von Werkproben der interessierten Künstlerinnen und Künstler zusammengestellt.

Das Höchhuus war ursprünglich ein Doppelwohnturm. Seine ältesten Teile datieren aus dem Jahr 1267. Nach 1515 erhielt es seine heutige Gestalt mit dem Aufbau des Riegelwerkes, dem Walmdach und dem seeseitigen Anbau. Ende der sechziger Jahre sollte es der Verkehrsplanung zum Opfer fallen. Zur Rettung des historischen Gebäudes formierte sich eine Stiftung, welche mit Hilfe von Bund, Kanton, Gemeinde und privaten Spendern das Haus renovierte und unter Schutz stellen liess. Die Gemeinde Küsnacht mietet das Höchhuus und stellt es für kulturelle Zwecke zur Verfügung.