Galerie im Höchhuus


Galerie im Höchhus, Seestrasse 123, 8700 Küsnacht

Retrospektive von Tibor Franaszek

Küsnacht, 9. Juni 2021 – Die Galerie im Höchhuus in Küsnacht zeigt einen Einblick in das umfangreiche Schaffen des schweizerisch-ungarischen Kunstmalers Tibor Franaszek, der 2019 verstorben ist. Tibor Franaszek und seine Werke haben in der regionalen Kunstlandschaft und darüber hinaus Bekanntheit erlangt. Doch birgt die aktuelle Ausstellung einige Überraschungen: Noch nie ausgestellte Bilder sind ebenso zu sehen wie Zeichnungen seiner Tochter Annatina Franaszek.

„Es ist unmöglich, alle Werk-Epochen von Tibor auszustellen. Dennoch ist es uns gelungen, eine umfassende Schau seiner Werke zu präsentieren“, freut sich Christa Franaszek, Witwe des vor zwei Jahren verstorbenen Künstmalers. Zusammen mit ihren beiden Töchtern hat sie eine Bildauswahl für die Retrospektive des Zollikers mit ungarischen Wurzeln getroffen, die nun in der Galerie im Höchhuus in Küsnacht zu sehen ist. Tibor Franaszek wurde 1945 in Budapest – sowjetischen Soldaten haben damals die Stadt belagert – geboren. An der dortigen Hochschule der bildenden Künste begann er seine Malerausbildung. 1966 flüchtete er in die Schweiz, wo er die Grafiker-Ausbildung an der damaligen Kunstgewerbeschule Zürich abschloss.

Risse und Sprünge als Motiv

Den Galeriebesucherinnen und -besuchern wird einmal mehr deutlich, welch grosse Bedeutung das Thema Vergänglichkeit für Tibor Franaszek hatte: Ritzen, Sprünge und Spalten in Strassen und Steinen faszinierten den Künstler bereits als Teenager. Mittels Frottagetechnik übertrug er scheinbar Unscheinbares auf Papier und schenkte dem Entdeckten eine Bedeutung. Risse und Spuren fand Tibor Franaszek auch bei den Menschen: In Budapester Altersheimen und im persönlichen Umfeld besuchte er vom Leben gezeichnete Frauen und Männer, um ihre Gesichter mit Bleistift und Kohle festzuhalten. In der Galerie Höchhuus sind sie nun erstmals zu sehen. Ganz anderer Art sind seine Zeichnungen aus Graphit und Pastell von Treppen, die sich am Horizont verlieren, oder von Überresten abgehackter Bäume. Ihr starker symbolischer Gehalt fordert den Betrachter auf, der Botschaft des Künstlers nachzugehen.

Zeit als Treiber der Vergänglichkeit

Gestrandete Boote offenbaren ihre verletzlichen Gerippe und ihr verlassenes Dasein. Es sind Ölbilder aus den Jahren 2000 bis 2012 der Serie „Ende der Passage“, die durch dunkle, nebulöse Tonmodulationen das Fragile des Gezeigten verstärken. Verschleiert und geheimnisvoll wirken auch die Bilder architektonischer Wunderwerke wie der syrischen Ruinenstadt Palmyra, die der Kunstmaler noch vor ihrer Zerstörung durch die ISS anfangs der 2000er Jahre fragmentiert auf Papier brachte. Das Nebulöse und Filigrane findet sich auch in der Serie „Humus“, an welcher der Künstler immer wieder arbeitete: Er entwickelte mit Naturmaterialien eine eigene Mischtechnik zwischen Malerei und Druck, bis es ihm gelang, die Zartheit eines Farns oder die Beschaffenheit von Erde abzubilden.

 „Er hat regelmässig etwas ausprobiert, wieder vernichtet und erneut ausprobiert. Er forderte sich selbst sehr stark heraus“, sagt Christa Franaszek. Während Zeit bei den meisten Werken von Tibor Franaszek Vergänglichkeit bewirkt, kann Zeit auch Rhythmus oder gar Monotomie hervorrufen. So haben Elektrokardiogramme oder Fliessbandarbeit den Künstler in den 1970er Jahren zu seinen „Rhythmogrammen“ inspiriert. Entstanden sind Bilder, die Spritztechnik oder Computerarbeit als Machart erahnen lassen. Doch es ist reine Handarbeit, mit der Tibor Franaszek Ölfarbe aufgetragen hat.

Vom Winde verweht

Um abermals mit Vergänglichkeit zu spielen, hat Tibor Franaszek Bilder immer wieder den Elementen ausgesetzt: Dem Wind, dem Regen, und kurz vor seinem Tod wollte er sie auch von der Sonne ausbleichen lassen. Das Resultat hätte an der ersten gemeinsamen Ausstellung mit seiner Tochter Annatina Franaszek gezeigt werden sollen. Doch die Zeit dazu wurde Tibor Franaszek nicht mehr gewährt. In der aktuellen Ausstellung im Höchhuus zeigt die Familie Franaszek daher nicht nur die Pläne für das noch vorgesehene Schaffensprojekt des Künstlers, sondern auch Zeichnungen seiner Tochter. Annatina Franaszek hat die zeichnerische Begabung geerbt und als Grafikerin und Künstlerin denselben Weg wie der Vater eingeschlagen. Symbolhaftigkeit und Faszination für die Natur verbinden die Werke der beiden. Während Tibor sich oft gesellschaftskritisch mit der Natur beschäftigt, ist für Annatina Franaszak die Natur auch ein Rückzugsort, der zu einer märchenhaften Welt werden kann. Sie zeigt Traumbilder aus der Serie „on my way“. Die in unzähligen Stunden mit Farbstift entstandenen Zeichnungen geben Visionen der jungen Künstlerin Strich für Strich wieder und lassen die Betrachter in eine Welt voller Geschichten und Mysterien eintauchen. Annatina Franaszek: „Der Wunsch einer gemeinsamen Ausstellung ist nun zu einer Art Generationen-Übergabe geworden.“

Eckdaten der Ausstellung von Tibor und Franaszek in der Galerie Höchhus in Küsnacht

  • Austellung: 25. Juni bis 11. Juli 2021
  • Opening: Freitag, 25. Juni von 16 bis 20 Uhr
  • Öffnungszeiten
    Donnerstag 17 bis 19 Uhr
    Freitag 17 bis 19 Uhr
    Samstag 15 bis 18 Uhr
    Sonntag 15 bis 18 Uhr

Weitere Informationen

  • www.franaszek.ch
  • www.annatinafranaszek.com



Tibor Franaszek, "Matterhorn",
aus 1990er Jahren, Öl auf Folie

 


Tibor Franaszek, "Turbulenzen" aus der Serie "Humus",
zwischen 2010 und 2017 entstanden, Öl, Mischtechnik

 

 

 

Tibor Franaszek im Atelier im Jahr 2018

Annatina Franaszek, "on my way the bridge",
Farbstift, 2010

 

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Galerie im Höchhuus Küsnacht

 Galerie Höchhuus KüsnachtDie Galerie im Höchhuus bietet Kunstschaffenden aus der Region die Möglichkeit, in ihren historischen Räumen auszustellen. Ein ehrenamtlich wirkendes Team organisiert jährlich 4 – 6 Ausstellungen zeitgenössischer Malerei, Bildhauerei und Fotografie. Das Programm wird auf Grund von Werkproben der interessierten Künstlerinnen und Künstler zusammengestellt.

Das Höchhuus war ursprünglich ein Doppelwohnturm. Seine ältesten Teile datieren aus dem Jahr 1267. Nach 1515 erhielt es seine heutige Gestalt mit dem Aufbau des Riegelwerkes, dem Walmdach und dem seeseitigen Anbau. Ende der sechziger Jahre sollte es der Verkehrsplanung zum Opfer fallen. Zur Rettung des historischen Gebäudes formierte sich eine Stiftung, welche mit Hilfe von Bund, Kanton, Gemeinde und privaten Spendern das Haus renovierte und unter Schutz stellen liess. Die Gemeinde Küsnacht mietet das Höchhuus und stellt es für kulturelle Zwecke zur Verfügung.